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Freitag, 10. Juli 2026

„Kult Katze!“

Große Sonderausstellung ab 10. Oktober im Übersee- Museum Bremen

Keyvisual der Ausstellung Kult Katze

Kaum ein Tier fasziniert die Menschheit seit Jahrtausenden so sehr wie die Katze. Verehrt und gefürchtet, mystifiziert und vermenschlicht, wild und zugleich vertraut: Ab dem 10. Oktober 2026 widmet das Übersee-Museum Bremen diesem außergewöhnlichen Tier die große Sonderausstellung „Kult Katze!“. Auf rund 800 Quadratmetern zeigt die Ausstellung bis zum 30. Mai 2027 etwa 300 Exponate aus Asien, Afrika und Amerikas aus vier Jahrtausenden.
Die Ausstellung beleuchtet die kulturgeschichtliche Bedeutung von Großkatzen wie Löwe, Tiger, Leopard und Jaguar ebenso wie die Rolle der Hauskatze als Haustier, Popikone und Internetstar. Zu sehen sind unter anderem Katzenmumien aus dem Alten Ägypten, Leopardenobjekte aus Westafrika, japanische Maneki Neko und moderne Katzen-Memes. „Kult Katze!“ zeigt die Katze zugleich als evolutionäre Meisterin und kulturelle Ikone.

Montag, 2. Mai 2022

Zur Kulturgeschichte des Karakals

(Kapitel aus Rotbarts wilde Verwandte)

1654 war die Welt des Caracal caracal zumindest in der südafrikanischen Kapregion noch halbwegs in Ordnung. Die Holländer hatten erst zwei Jahre zuvor ihren Handelsstützpunkt am Tafelberg errichtet und bis auf die Festung und ein paar Gärten noch kaum Land für sich in Anspruch nehmen können. Das war von den nomadischen Khoi und den Jägern und Sammlern, den San, besiedelt, für die die Koexistenz mit Beutegreifern zum alltäglichen Leben gehörte.

Ins Blickfeld der Europäer gelangte der Karakal im folgenden Jahrhundert. Wie überall, wo Menschen in ihren Lebensraum eindrangen, bediente sich die außerordentlich scheue, opportunistische Raubkatze nach dem Muster, man nimmt, was man kriegt, gelegentlich auch bei den Haustieren, wie Hühnern, Schafen oder Ziegen. Da kam es ganz gelegen, dass man das Fell des Karakals, wie Alfred Brehm in seinen Tierleben zu berichten wusste, „Am Vorgebirge der guten Hoffnung ... in hohem Werte“ hielt „... weil man ihm Heilkräfte gegen Gliederschmerzen und Fußgicht zuschrieb. Solche Felle wurden auch nach Europa verhandelt und hier ebenfalls gut bezahlt.“

Dienstag, 15. März 2022

Neue Studie zur Bedrohung von Spitzenprädatoren durch das globale Straßennetz

 Basis: Panthera-Pressemitteilung (orig. engl.)

New York, 22. Februar 2022: Tiger und Nebelparder in Asien, Leoparden in Asien und Afrika und Iberischer Luchs in Spanien gehören zu den 36 Spitzenprädatoren, die am stärksten vom aktuellen globalen Straßennetz bedroht sind. Das ergibt eine neue Studie der globalen Wildkatzenschutzorganisation Panthera und ihrer Partner, die in Nature's Scientific Reports veröffentlicht wurde.

  

Straßenbau als Artenkiller

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass der Lippenbär dem höchsten straßenbedingten Risiko aller Spitzenprädatoren ausgesetzt ist, gefolgt vom Tiger und dem Rothund. Die Studie zeigt, dass acht der zehn Arten mit dem höchsten straßenbedingten Risiko in Asien vorkommen, während andere Hochrisikoarten in Amerika, Afrika und Europa beheimatet sind. Die größten Bedrohungen für Spitzenprädatoren durch Straßen bestehen in Kollisionen, Lebensraumverlust und -fragmentierung, vermindertem genetischen Austausch durch physische Barrieren und zunehmender Wilderei, die durch den Zugang zu Lebensräumen von Wildtieren erleichtert wird.

Montag, 23. November 2020

Felids and Hyenas of the World

Wildcats, Panthers, Lynx, Pumas, Ocelots, Caracals and Relatives

Es ist schon ein wenig wie Weihnachten. Seit Jahren suchte ich vergeblich nach einem Buch, dass einen vollständigen und aktuellen Überblick über alle Katzenarten bietet und seit etwa einer Woche liegt es nun mit Felids and Hyenas of the World zur Rezension auf meinen Schreibtisch.

Mittwoch, 15. Juli 2020

Vorfahren der Hauskatzen in Europa: Seit 6000 Jahren unabhängig

Auch wenn sich die Katzen
nicht vom Menschen abhängig machten,
fügten sie landwirtschaftliche
Schadtiere zu ihrem Speiseplan hinzu.
Bild: Maciej T. Krajcarz
Presseinformation der Universität Tübingen vom 14.07.2020: Forschende des Senckenberg Centers for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen haben mit einem internationalen Team die Nahrungsgewohnheiten der Vorfahren heutiger Hauskatzen untersucht. Sie kommen zu dem Schluss, dass die ersten aus Europa bekannten Katzen sich nicht vom Menschen abhängig machten. Stattdessen ernährten sich die Tiere vor 6200 bis 4300 Jahren sowohl von Wildtieren, als auch von Nagetieren, die im Zusammenhang mit menschlicher Landwirtschaft standen. Die Studie erscheint heute im Fachjournal „PNAS“.

Donnerstag, 9. April 2020

Sofa-Premiere: Die Rückkehr der Wildkatzen

 
Sofa-Premiere: “Die Rückkehr der Wildkatze”
“Die Rückkehr der Wildkatze” am 17. April 2020 ab 19:00 Uhr in der Online-Premiere sehen!


Donnerstag, 8. August 2019

Tag der Katze: 15 Jahre Rettungsnetz Wildkatze

BUND fordert mehr Anstrengungen für den Waldverbund und naturnahe Wälder


Foto: Thomas Stephan / BUND
Pressemitteilung des BUND Hessen: Wildkatzenwanderwege zwischen Wäldern funktionieren. Diese Zwischenbilanz zieht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) nach 15 Jahren Engagement in seinem „Rettungsnetz Wildkatze“. Insgesamt 25 Waldverbindungen aus Büschen und Bäumen hat der BUND seit 2004 mit Hilfe hunderter Freiwilliger gepflanzt. Diese grünen Korridore erleichtern der gefährdeten Europäischen Wildkatze in inzwischen sechs von elf Bundesländern mit Wildkatzenvorkommen das Wandern zwischen ihren isolierten Lebensräumen. Das bundesweite genetische Monitoring des BUND hat mehrfach belegt, dass die gepflanzten Waldverbindungen angenommen werden.

Dienstag, 16. Juli 2019

Magischer Tigerwald

eine märchenhafte Anthologie

Die Protagonisten der Anthologie sind ganz real und leben im Raubtier- und Exotenasyl Ansbach/Wallersdorf. Doch bei aller liebevollen Betreuung, die sie dort erfahren, dürften die Raubkatzen, Füchse, Frettchen oder Affen, die aus illegaler oder schlechter Haltung stammen, doch von einer schöneren, freieren Welt träumen. Die Autoren der Anthologie greifen diesen Gedanken auf und versetzen die tierischen Bewohner in die Lage, unbemerkt von den Pflegern im magischen Tigerwald, einer Zauberwelt, die kaum einem Menschen zugänglich ist, umherzustreifen und dort ihre Abenteuer zu erleben.

Mittwoch, 20. März 2019

Rotbarts wilde Verwandte

zur Kulturgeschichte des anthropogenen Artensterbens

Medieninformation vom Autor: Marmorkatze, Sumatratiger, Leopard, Nebelparder oder Schwarz-fußkatze. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind vom Aussterben zumindest in freier Wildbahn bedroht. Bereits seit der Entstehung der ersten Zivilisationen werden sie verehrt und verfolgt, ausgerottet und vergöttert. Aber erst mit der europäischen Expansion wird mit zunehmender Geschwindigkeit ihre natürliche Lebensgrundlage überall auf der Welt unwiederbringlich zerstört. Rotbarts wildeVerwandte ist eine kulturgeschichtliche Reise von der Frühzeit über das 17. Jahrhundert, in dem der fiktive Schiffskater Rotbart seine Abenteuer erlebte, bis in die Neuzeit und zu den aktuellen Heraus-forderungen, denen sich der Arten- und Habitatschutz angesichts der sogenannten sixth extinction, also dem sechsten Massenartensterben der Erdgeschichte, zu stellen hat. Der Leser taucht dabei ein in die Welt von göttlichen Herrschern, Kulturheroen, menschenfressenden Raubkatzen, skrupellosen Geschäftemachern, historischen Ausrottungskampagnen und schießwütigen Naturforschern. Denn die Kulturgeschichte des anthropogenen Artensterbens ist geprägt von Gier und Machtbesessenheit, wissenschaftlicher Leidenschaft, religiösen Überzeugungen und einer gehörigen Portion Dummheit der Tierart, die sich in ihrer Hybris selbst als Homo sapiens, also als weise und vernünftig bezeichnet. 

Auf den ersten Blick mag es etwas ungewöhnlich erscheinen, einen Roman über die Abenteuer eines fiktiven Schiffskaters aus dem 17. Jahrhundert zum Anlass zu nehmen, eine kleine Kultur-geschichte über das vom Menschen verursachte Artensterben zu schreiben. Aber der Protagonist der Rotbartsaga und seine Freunde begegnen bereits auf ihrer ersten Reise nach Ostindien einer Reihe von wilden Verwandten und anderen Tieren, die inzwischen ausgestorben oder vom Aussterben bedroht sind. Auch wenn der Kater und seine Abenteuer reine Fiktion sind, Ausgangsmaterial des in der Rotbartsaga gesponnenen Seemannsgarns sind die sorgfältig recherchierten Fakten der historischen Realität. Und dazu gehört eben auch der Umgang des Menschen mit seiner Umwelt, der Natur und ihren wilden Geschöpfen.

Das Buch Rotbarts wilde Verwandte liefert dem Leser nicht nur eine kulturgeschichtliche Abhandlung des menschengemachten Artensterbens, sondern stellt auch einzelne ausgewählte Artenschutzorganisationen vor, die das Spektrum und die Herausforderungen der Arbeit für den Erhalt unserer Umwelt und ihrer tierischen Mitbewohner beispielhaft repräsentieren.

Wolfgang Schwerdt: Rotbarts wilde Verwandte. Zur Kulturgeschichte des anthropogenen Artensterbens. Bod 2019. Taschenbuch, 184 Seiten, zahlreiche farbige und schwarzweiße Illustrationen. ISBN: 9783739249742


Wolfgang Schwerdt (dipl Betriebswirt) wurde 1951 in Berlin geboren und arbeitete seit den 1980 Jahren als freier Journalist zu wirtschaftlichen und kulturgeschichtlichen Themen. Seit 2010 publiziert er Sachbücher zu Kultur- und Seefahrtsgeschichte sowie Fiktionales über Seefahrt und Schiffskatzen.
Buchblog Rotbartsaga: https://rotbartsaga.com/
Blog Forscher, Katzen und Kanonen: https://forscherkatzenkanonen.wordpress.com/

Sonntag, 3. März 2019

Formosa-Nebelparder doch (noch) nicht ausgestorben?

Es war schon eine kleine Sensation, als die Taiwan News am 23. Februar 2019 die Sichtung des Neofelis nebulosa brachyura, der auf Taiwan endemischen Art des Nebelparders meldete. Mehrere Augenzeugen sollen die ausgestorben geglaubte Großkatze im Landkreis Taitung in der Gemeinde Daren beobachtet haben. Daren gehört zu den am dünnsten besiedelten Regionen Taiwans und liegt im Taiwanischen Zentralgebirge. Mehr als 90% der Bewohner gehören zur indigenen Bevölkerung, überwiegend Paiwan, einer ausstronesischen Ethnie.

Taiwanischer Nebelparder (Neofelis nebulosa brachyura)
Bild von Joseph Wolf (1820-1899). Aus Proceedings of the
Zoological Society of London 1862. Wikimedia Commons PD

Die Informationen über die Sichtungen stammen von Kao Cheng-chi, dem Präsidenten der Austronesian Community College Development Association und Bürgermeister des Paiwan-Stammes. Der hatte im Juni 2018 eine Rangertruppe aufgebaut, um in den traditionellen Gebieten der Paiwan zu patrouillieren. Völlig unerwartet sichteten Mitglieder der Rangergrupppen im Januar 2019 die extrem scheue Katze. So soll in der Nähe des Dorfes Alangyi ein Li' uljaw, wie der Nebelparder in der Paiwan-Sprache genannt wird, auf einen Baum geklettert und dann auf einen Felsen gesprungen sein, um eine Ziege zu jagen. Ein anderer Ranger sah einen Nebelparder an einem Motoroller vorbeihuschen und blitzschell einen Baum hinaufjagen. Kao organisierte unverzüglich ein Stammestreffen um die Sichtungen näher zu untersuchen und ein Jagdverbot für Außenstehende zu beschließen. Zudem forderten die Dorfältesten die Forstverwaltung auf, Holzeinschlag und andere zerstörerische Aktivitäten in dieser Region zu unterlassen.

Mittwoch, 24. Mai 2017

Der Nebelparder: Asiens schützbedürftige flüchtige Baumakrobaten

Beitrag vom 11 Mai 2017, gefunden auf Mongabay.com. Von Linda Lombardi, Übersetzt von Regina Brodmann

„Werden wir über unser Wissen zu Asiens Nebelparder befragt, wären viele von uns sicherlich ahnungslos. Fragen wir aber einen Experten, der mit diesen Wildkatzen arbeitet, bekommen wir einiges zu hören. „Sie sind phänomenale Athleten. Sie können wie keine andere Katze klettern. Sie können von einer Tatze, kopfüber hängen. Ich habe sie Dinge machen sehen, das war einfach fantastisch“, schwärmt Bonnie Breitbeil, die Nebelparder SSP Koordinatorin und internationale Zuchtbuchkoordinatorin für die Vereinigung Association of Zoos and Aquariums (AZA).
Das Tier ist wunderschön gefleckt und hat eine erstaunliche Anpassung, die sich für das Leben im Baum eignen: „Sie können kopfüber den Baum herunterklettern — nur wenige Katzen im ganzen Tierreich sind dazu in der Lage“, bemerkt Lon Grassman, einer der ersten Wissenschaftler, die einem wilden Nebelparder ein Funkhalsband umlegen konnten. „Sie haben rotierende Knöchel“, fügt er hinzu. Sie haben auch, verglichen zur Größe des Kopfes, sehr lange Zähne. Daher werden sie von einigen als moderne Säbelzahntiger bezeichnet. „Die Daten lassen vermuten, dass ihnen ihre extrem langen Zähne helfen, Beute in den Bäumen besser zu fangen, wenn sie dazu nicht ihre Tatzen benutzen können“, sagt er.“ Zum vollständigen Beitrag auf Mongabay

Dienstag, 28. März 2017

Attacken von Leoparden auf Nutzvieh schwer zu verhindern

Deutsch-iranisches Forscherteam schlägt Maßnahmen zum Herdenschutz vor

Persischer Leopüard. Foto: Pixabay
Pressemitteilung vom 28. März 2017 der Universität Göttingen (pug): Sowohl Verluste an Nutzvieh als auch eine direkte Gefährdung von Menschen sind im Iran verantwortlich für Konflikte zwischen der ländlichen Bevölkerung und großen Raubtieren. Solche Konflikte schaden dem Schutz der biologischen Vielfalt, da sie oft in und am Rande von Schutzgebieten vorkommen und gefährdete Tierarten betreffen. Hohe ökonomische Verluste durch gerissenes Nutzvieh begünstigen auch die Wilderei an Großkatzen. Wissenschaftler der Universität Göttingen und der Gorgan University of Agricultural Sciences and Natural Resources haben Attacken von Leoparden auf Nutzvieh im Rahmen einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Studie analysiert und daraus kostengünstige und sozial akzeptable Maßnahmen zum Herdenschutz abgeleitet. Die Ergebnisse sind in der Online-Fachzeitschrift PeerJ erschienen.

Freitag, 1. Juli 2016

Neuigkeiten zur Evolutionsgeschichte des Java-Leoparden

Java-Leopard (Panthera pardus melas). Foto: Christian Kern / Tierpark Berlin
Pressemitteilung des IZW vom 04.05.2016. Ein internationales Forscherteam aus Deutschland und Indonesien hat neue Einblicke in die Evolutionsgeschichte des Java-Leoparden gewonnen. Die Ergebnisse der aktuellen Studie bekräftigen, dass Java-Leoparden sich eindeutig von anderen asiatischen Leoparden unterscheiden. Java-Leoparden haben die Insel Java wahrscheinlich vor etwa 600.000 Jahren vom asiatischen Festland aus über eine Landbrücke kolonisiert. Die Studie betont die dringende Notwendigkeit für koordinierte Schutzbemühungen, um den Java-Leoparden vor dem Aussterben zu bewahren. Die Forschungsergebnisse wurden in dem Fachmagazin „Journal of Zoology“ veröffentlicht.

Donnerstag, 30. Juni 2016

Neulich bei Luchsens

Längst ist der Tierpark Sababurg kein wirklicher Geheimtipp mehr. Er zieht rund ums Jahr zahlreiche Besucher an und bietet wirklich spannende Infoprogramme, Veranstaltungen, Führungen und vieles mehr. Gelegentlich überkommt den aufmerksamen Besucher jedoch das Gefühl, dass der einen oder anderen Tierart die Aufmerksamkeit des Publikums nicht gerade guttut. Trotz großzügiger Gehege und dem - im Vergleich zu anderen regionalen Tierparks - erkennbaren Bemühen der artgerechten Haltung, scheint auch im Tierpark Sababurg der Konflikt zwischen Tier- und Artenschutz und der Notwendigkeit, dem Publikum Attraktionen zu bieten, nicht immer zugunsten der Tiere auszufallen. Unser Besuch bei den Luchsen beispielsweise hat neben der Begeisterung für diese wundervollen Katzenwesen auch ein wenig Wehmut hinterlassen.

Donnerstag, 17. Dezember 2015

Uni Göttingen: Weniger Luchse in Nordhessen als angenommen

Ein Hessenluchs am Meißner,
aufgenommen im November 2015.
Foto: Gerhard Schuster
Presseinfo Uni Göttingen (pug). 
Seit einem Jahr erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Göttingen in Nordhessen eine kleine Teilpopulation des Eurasischen Luchses. Dazu haben sie in einem etwa 610 Quadratkilometer großen Areal südöstlich von Kassel an insgesamt 20 Standorten automatische Kameras, sogenannte Fotofallen, aufgestellt. 96 Aufnahmen von Luchsen sind den Forschern seither gelungen. Das zunächst für ein Jahr finanzierte Projekt wird nun mit 25.000 Euro von der Heinz Sielmann Stiftung weiter gefördert und kann dadurch in den kommenden drei Jahren fortgesetzt werden.

Mittwoch, 4. November 2015

Großkatzen wechseln bei Wildtier-Mangel auf Nutztiere

Göttinger Forscher untersuchen Beziehungen zwischen Nutztier-Rissen und wilder Beute

Löwin mit gerissenem Büffel.
Foto: Matthias Walter
(Pressemitteilung Uni Göttingen) Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren sind eine Herausforderung für den Erhalt der Artenvielfalt und für den Lebensunterhalt ländlicher Dorfgemeinschaften. Großkatzen wie Löwen, Tiger oder Leoparden reißen oft Nutztiere. Oft kommt es dann zu ökonomischen Verlusten und zur Tötung dieser Katzen, obwohl sie gefährdet und offiziell geschützt sind. Zu wenig wilde Beute wird oft als wichtiger Grund für solche Konflikte genannt. Naturschutzbiologen der Universität Göttingen haben jetzt erstmals umfassend die Frage untersucht, bei welcher Beutetierdichte und welchem -gesamtgewicht Großkatzen auf Nutztiere wechseln. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Biological Conservation erschienen.

Freitag, 16. November 2012

Wenn die wilden Katzen rufen


Ein Besuch bei den wilden Kollegen unserer Schmusetiger

Misstrauisch beobachtet der Wildkater mein Bemühen, ihn mit der Kamera zu Portraitieren. Klar, er ist  - wie seine drei Artgenossen – Publikum gewohnt und ein Foto von den vier Graubraungetigerten sollte, wie der Tierpfleger versichert, vor allem bei der Fütterung kein Problem sein. Aber mit dem Objektiv in einer Masche des Drahtzauns, das die sichtbare Grenze zum Wildkatzengehege im Wildkatzendorf Hütscheroda am Nationalpark Hainich in Thüringen markiert, habe ich offensichtlich die Distanz zu dem jungen Wildkater aus der Schweiz unterschritten. Ein kräftiges Fauchen ist die Quittung und ich lerne, dass Wildkatzen offensichtlich auch noch eine feuchte Aussprache haben.

Samstag, 10. November 2012

Die Schwarzfußkatze

Der Winzling mit der Riesenpower

Unter dem Namen Felis nigripes präsentiert sich eine der kleinsten Wildkatzenarten der Welt, die Schwarzfußkatze aus Südafrika.

Die kleine Katze mit dem breiten, rundlichen Kopf und den großen Ohren sieht auf den ersten Blick aus, wie eine junge Hauskatze. Sicher, das gelbbraune Fell mit den schwarzen Flecken und den schwarzen Ringen um die Beine der Schwarzfußkatze entspricht im Gegensatz zur Gesichtszeichnung nicht so recht dem Muster unserer gewöhnlichen Stubentiger. Und auch, wenn die männliche Katze mit den schwarzen Sohlen maximal 2,5 Kilogramm, die Weibliche vielleicht 1,5 Kilogramm auf die Waage bringt, als Kämpfer sind die kleinen, südafrikanischen Einzelgänger berüchtigt.

Montag, 4. Januar 2010

Ein Wegenetz für die Wildkatze

Kampagne für in Deutschland bedrohte Wildkatzen

Im Februar 2008 startete der BUND eine langfristig angelegte Kampagne zum Schutze der Wildkatze, Dabei geht es nicht nur um die pelzigen Leisetreter unserer heimischen Wälder, sondern auch um Schutz und Erhaltung der anderen Tierarten, die sich den Lebensraum mit dem kleinen Raubtier teilen. Der faszinierenden Widkatze kommt bei dieser Kampagne eine Art Leitfunktion zu. Schützen wir sie durch geeignete Maßnahmen, so hilft das automatisch auch anderen bedrohten Waldbewohnern. Zur Aktion und dem Konzept Lesen Sie die folgende Pressemitteilung.

(Pressemitteilung vom 13. Februar 2008) Mit Großplakaten und Anzeigen in überregionalen Zeitungen startete der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) heute seine bisher größte Artenschutzkampagne. Sie wirbt für den Schutz der letzten überlebenden Wildkatzen in den heimischen Wäldern. Mit Slogans wie „Man sagt, Katzen haben sieben Leben. Mit viel Glück hat die Wildkatze eines" machen die Naturschützer darauf aufmerksam, dass die wild lebende Verwandte der Hauskatze zu den besonders gefährdeten Tierarten gehört. Um die Lücken zwischen Waldgebieten mit voneinander isolierten Wildkatzenpopulationen zu schließen, will der BUND mithilfe der in der Kampagne eingeworbenen Spenden ein von Büschen und Bäumen bewachsenes Wegenetz einrichten.

Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND: „Viele Tiere in unseren Wäldern gehören zu den bedrohten Arten. Durch Flächenfraß und ungebremsten Neubau von Straßen wird ihr ohnehin eingeengter Lebensraum immer weiter zerschnitten. Das Wandern der Tiere zwischen den voneinander getrennten Wäldern ist kaum noch möglich. Zusammen mit Kommunen, Naturschutzbehörden und den Agrarverwaltungen der Länder wollen wir ein grünes Korridornetzwerk mit einer Gesamtlänge von rund 20000 Kilometern einrichten und so nicht nur den Wildkatzen das Überleben sichern."

Noch vor weniger als 200 Jahren waren Wildkatzen in ganz Deutschland verbreitet. Heute leben hierzulande nur noch 3000 bis 5000 Tiere vor allem im Pfälzer Wald, im Harz, im Nationalpark Hainich und im Spessart. Da sie auf ausreichende Deckung achten, meiden sie ausgeräumte, landwirtschaftlich genutzte Flächen. Durch ihre zunehmende Isolierung droht Inzucht und der Verlust ihrer genetischen Vielfalt. Nicht wenige Tiere werden zudem Opfer des Straßenverkehrs. Auch andere Waldbewohner wie Dachse, Baummarder und viele gefährdete Vogel- und Schmetterlingsarten sind durch die Zerschneidung der Waldgebiete beeinträchtigt.

Eine bessere Verknüpfung der Wälder durch grüne Korridore wäre für alle Arten ein großer Gewinn. Um den Wildkatzen im Nationalpark Hainich eine Wiederansiedlung im Thüringer Wald zu ermöglichen, wurden im letzten Herbst bereits tausende Bäume gepflanzt. Weitere Wildkorridore sind u. a. vom Hainich zum Harz und vom französischen Grenzgebiet über das Oberrheintal zum Schwarzwald geplant.



Alles zum Thema, zur Wildkatze, zur Kampagne und zu Möglichkeiten des Mitmachens finden Sie auf der Seite "Rettungsnetz Wildkatze"


Quelle der Fotos: www.wildkatze.info / Copyright Thomas Stephan

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Die Wildkatze der asiatischen Felsensteppen

Der Manul ist trotz Teddyerscheinung ein echtes Raubtier



Wie ein kuscheliger Teddybär wirkt die faszinierende Wilde Katze Zentralasiens, die 1776 vom Zoologen und Botaniker Peter Simon Pallas entdeckt und benannt worden war.

Mit 2,5 bis 4,5 Kilogramm Gewicht und einer Kopf-Rumpf-Länge von 50 bis 60 Zentimetern ist der Manul etwa so groß wie eine gewöhnliche Hauskatze. Das dichte Fell jedoch, dessen Haarlänge die aller anderen Katzenarten überschreitet, macht aus dem stämmig gebauten Tier eine recht massige Erscheinung. Beine, Schwanz Schnauze und Ohren, alles kurz und gedrungen, eine optimale Anpassung an die recht extremen Lebensbedingungen des Manul.
Das Verbreitungsgebiet der Katze ist geografisch gesehen außerordentlich groß, es erstreckt sich immerhin vom südlichen Kaukasus über Turkmenistan, Usbekistan, Nordpakistan und Nordindien bis in weite Bereiche Tibets, des westlichen und nördlichen China und die Mongolei bis zur Region des Baikalsee in Russland. Tatsächlich aber beschränkt sich sein Lebensraum auf steinige Wüsten, Halbwüsten und Trockensteppen besonders in höheren Lagen. Bis in über 4000 Meter Höhe findet man den Manul, vorzugsweise in hügeligem, nicht verschneitem Gelände.

Der Manul, bedroht und unbekannt

Kälte und Wind können der Katze mit dem dicken Fell und den kurzen Gliedmaßen nichts anhaben, und für die Pirsch- und Lauerjagd ist sie hervorragend getarnt. Zusammengekauert, mit seinen runden, unauffälligen Ohren und der grau bis graubraunen Farbe des Fells wirkt er selbst wie das ihn umgebende Geröll.
Obwohl geografisch weit verbreitet und vor allem in Gebieten mit geringer Bevölkerungsdichte anzutreffen, muss der Manul als bedroht gelten. Nicht nur deshalb, weil er bis in die jüngste Vergangenheit wegen seines Fells stark bejagt wurde. Das mit rund 90% wichtigste Beutetier der plüschigen Wildkatze, der Pfeifhase, ist in weiten Teilen des Lebensraumes des Jägers durch gezielte Ausrottungsprogramme stark dezimiert worden. Von der Weltnaturschutzorganisation (IUCN) wird der Manul als „ungenügend bekannt“ und „wahrscheinlich als gefährdet“ eingestuft.

Ungeklärte Familienverhältnisse des Manul

Tatsächlich ist der Manul in vieler Hinsicht ein noch recht unbekanntes Wesen. Man weiß zwar, was er frisst, man kennt die Tragezeit (65 bis75 Tage), Lebenserwartung (max. 12 Jahre), Wurfgröße (vier bis sechs Junge) und Zeitraum bis zur Geschlechtsreife (vor Ablauf des ersten Lebensjahres) in der Gefangenschaft, über das Leben der außergewöhnlichen Wildkatze in freier Wildbahn jedoch ist wenig bekannt.
In der Verwandsschaftssystematik gehört der Manual zu den Kleinkatzen und zur Bengalkatzen-Gruppe, zu der neben der Namensgeberin der Gruppe auch die Rostkatze und so exotische Wesen wie die Fischkatze gehören. Da die Systematik aber trotz DNA- basierter Überarbeitung der „Familienverhältnisse“ im Jahr 2006 noch immer viele Zuordnungsfragen offen lässt, wird dem Manul in vielen Systematiken eine eigene Gattung (Otocolobus manul) zugestanden. Ansonsten wird er folgendermaßen klassifiziert: Familie, Katzen (Felidae); Unterfamilie, Kleinkatzen (Felinae); Gattung Felis; Art, Manul, also Felis Manul.
Für welche Einteilung man sich auch immer entscheidet, der Manul bietet immer wieder Überraschungen. So fehlt ihm als einziger Wildkatze der altertümliche Retrovirus, was für eine Abspaltung des Manuls vor der Infektion des gemeinsamen Vorfahren der anderen Katzenarten mit dem Erreger spricht.

Manul,  Bengalkatzen- oder Luchs-Gruppe

Für eine Zuordnung des Manul nicht zur Bengalkatzen-, sondern zur zur Luchs- Gruppe spricht übrigens mit ganzen 28 die geringe Anzahl der Zähne. In der Regel haben moderne Katzen 30 Zähne, deutlich weniger, als ihre katzenartigen Vorfahren mit den langen Schnauzen. So bringen es die Zibetkatzen und Mangusten immerhin auf 44 Zähne. Der effektive Einsatz der kräftigen Dolchzähne, der tödlichen Waffen der Katze, erfordert aber starke Kiefermuskeln an kurzer, kompakter Schnauze. Dieser notwendigen Verkürzung der Schnauze sind also im Rahmen der Evolution immer mehr Backenzähne zum Opfer gefallen.

Der Manul und die Pfeifhasen

Der Manul ist also zweifellos ein optimal ausgestatteter Jäger und Überlebenskünstler für seinen Lebensraum. Ob er aber vor dem Aussterben zu retten ist, mag bezweifelt werden. Trotz internationaler Konventionen zum Handel mit lebenden Exemplaren, Fellen oder Fellprodukten, die inzwischen von 120 Staaten, darunter auch wichtiger Staaten im Verbreitungsgebiet des Manul unterzeichnet worden sind, geht zumindest die Wilderei und der Fellschmuggel in gewissem Rahmen weiter. Aber die gezielte Ausrottung der Pfeifhasenbestände dürfte sich letztendlich als die größere Bedrohung für die Existenz des  plüschigen Jägers erweisen.

Fotos: Wolfgang Schwerdt
Links: Ausstellung "Alles für die Katz" in Münster
rechts: Ausstellung "Alles für die Katz" Kassel