Donnerstag, 30. Januar 2014

Jonathan Petry der Schiffskatzenmaler

Interview mit einem besonderen Katzenmenschen

Jonathan mit seiner Muckerl,
einer echten Maneki Neko
© J. Petry
Es war sicherlich (k)ein Zufall, dass Jonathan Petry, der Schiffskatzenmaler und ich, der Buchautor, uns vor kurzem virtuell begegnet sind. Ich habe mich in den letzten Jahren literarisch immer mehr den seefahrenden Katzen zugewandt und Jonathan bannt ebenfalls seit Jahren die pelzigen Seeleute mit Pinsel und Farbe auf Papier und zwar auf eine Weise, die mich vom ersten Blick an fasziniert hat. Es war eigentlich nur ein kurzer, beinahe schüchterner Hinweis auf sein eigenes Buchprojekt in einem Blog-Kommentar, der sich auf meine Bücher zum Thema Schiffskatzen bezog und der meine Neugier geweckt hatte. Und als ich mir die Seite des Kommentators anschaute, da wusste ich, mein legendärer Schiffskater Rotbart ist nicht allein. Und weil auf seiner Homepage kaum etwas über den Schiffskatzenmaler selbst zu erfahren ist, habe ich ihn für Katzen-Kultur um ein Interview gebeten.


Katzen-Kultur: Herr Petry, Sie wohnen in Oberbayern an der Österreichischen Grenze, tragen einen Namen, der nach französischen Einwanderern klingt, nennen sich nicht einfach nur Katzen-, sondern Schiffskatzenmaler, haben offensichtlich eine große Affinität zum britischen Seefahrer James Cook und malen unter anderem Bilder, als seien Sie bei dem britischen Karikaturisten James Gillray und seinen Kollegen aus dem 18. und 19. Jahrhundert in die Schule gegangen. Wie sind Sie auf die Katz, ihre Leidenschaft für die  Seefahrt und an ihren persönlichen Malstil gekommen?

Pixie mit den Seemännern in den Rahen
© J. Petry
J. Petry: Die Liebe zu Katzen war immer schon da, wie zu allen Tieren außer Flöhen, Wanzen und so Zeugs. Ganz eng war meine Beziehung zu meinem 2011 verstorbenen Kater Clausi. Er hatte keine Scheu vor Wasser, liebte Seefisch und so nannte ich ihn immer „Schiffskater“. Mit Clausi konnte man reden, er gab immer Antworten wenn man mit ihm sprach, in Form von verschiedenen Maunzlauten. Er war einfach was Besonderes. Am Tag als er starb, träumte ich von aufgewühlter windgepeitschter See . . . der Traum war so echt! Und auf unserem Balkon blühte die erste große Lilie auf! Es war als wäre ein König von uns gegangen.

Die Liebe zu Segelschiffen habe ich seit Kindertagen und die Fernsehserie „Onedin-Linie“ mit den tollen Klippern war das Größte für mich. Und da ich an Reinkarnation glaube, weiß ich, dass ich schon mal als einfacher Seemann im 18.Jahrhundert existierte. Ich brauche nur Schiffe dieser Zeit sehen und eine große Wehmut und Sehnsucht ergreift mich, obwohl das Leben alles andere als bequem war zu dieser Zeit. Leider war ich nie mit dem großen Cook auf Fahrt, aber ich habe im 18. Jahrhundert schon als Kind von der Südsee geträumt. Die Fahrten des James Cook und die Entdeckungen der Wissenschaftler, die mit ihm reisten waren damals in aller Munde.

Pixie hält die Ratten in Schach
© J. Petry
Meinen Malstil kann ich nicht erklären, ich habe nichts studiert, bin Autodidakt und male frei Schnauze, besser gesagt frei Pfoten. Innendrinn bin ich immer noch ein Mensch des 18. Jahrhunderts. Ich lebe und liebe die Kunst, die Musik jener Zeit (Händel liebe ich über alles), die Aufklärung. Und ich kleide mich seit Jugendtagen gemäß der zeitgenössischen Mode, am liebsten sind mir Seemannsklamotten. Vielleicht haben mir ja Gott oder das Schicksal für dieses Leben ein Maltalent mitgegeben, um dem großen Captain und seiner Crew ein Denkmal in Form eines schönen Bilderbuches zu setzen.

Katzen-Kultur: Sie selbst bezeichnen ihren Lebenslauf eher als langweilig. Vielleicht können Sie uns trotzdem ein paar Eckdaten preisgeben und vielleicht das eine oder andere Ereignis verraten, das Sie Ihrer Ansicht nach geprägt hat.

Die Seeleute feiern noch einmal vor ihrer Abreise
© J. Petry
J. Petry: Was mich geprägt hat? Sicher mein letztes Leben im Irland des 18.Jahrhunderts . . . mag heute noch Guinness und die Musik O´Carolans, die liebe ich wie Händel. Ja und ich spiele so gerne Harfe, wenn auch nur als Hobby.
Was hat mich noch geprägt? Seit Jahren betreue ich mit einer älteren Dame eine Futterstelle für halbwilde Katzen in der Nähe einer Fabrik. Die Tiere haben dort kein so leichtes Leben, aber die örtliche Tierhilfe hilft uns mit Kastrationen. Da habe ich auch schon viel Leid gesehen und empfunden. Da gab es eine kleine Katze mit Darmvorfall beispielsweise, die sich nicht fangen ließ. Erst als sie zu schwach war, gelang mir dies und ich konnte sie der Tierhilfe bringen, die sie von einem Tierarzt einschläfern lassen musste. Eine kleine schwarz-weiße war es, ich nannte sie Flecki und habe sie auch schon ihn meinem Bilderbuch verewigt.

Katzen-Kultur: Apropos Bilderbuch. Über Ihr Buchprojekt, an dem Sie nunmehr bereits seit rund sechs Jahren arbeiten, möchten Sie noch nicht allzu viel verraten. Ein paar Illustrationen haben Sie mir aber schon einmal zur Verfügung gestellt, damit sich meine Leser im Wortsinne ein Bild machen können. Was können Sie uns denn zum Ihrem Projekt erzählen.

Kater Pixie erzählt am Hafen von seinen Südseeabenteuern
© J. Petry
J. Petry: Dieses Projekt wird mein Lebenswerk. Noch nie habe ich mit so viel Hingabe etwas gemalt und es steckt meine ganze Leidenschaft dahinter. Es soll noch vor James Cooks 300. Geburtstag 2028 erscheinen. Es wird ein Bilderbuch über den Schiffskater Pixie (das ist mein Kater Clausi) der mit Cook auf seiner ersten Reise mit der Bark Endeavour um die Welt segelt. Eine Hommage an Cook und meinen Kater. Die Arbeit daran wird noch Jahre dauern und dann hoffe ich einen Verleger zu finden.

Katzen-Kultur: Auch wenn Sie sich ausdrücklich Schiffskatzenmaler nennen, die „gemeine“ Land- und Wohnungskatze bannen Sie ebenfalls auf Leinwand oder Papier, in der Regel als Auftragsarbeiten, mit denen Sie sich Ihren Lebensunterhalt verdienen. Finden sich Ihre Illustrationen auch schon beispielsweise in Katzenbüchern oder haben Sie einmal daran gedacht – abgesehen von dem Kater Pixie- Bilderbuchprojekt – vorab einen kleinen Bildband mit ihren anderen Katzenarbeiten zu veröffentlichen, so als Appetithäppchen?

J. Petry: In Katzenbüchern gibt’s noch keine Illustrationen von mir. Aber ich mache jedes Jahr ein Bierzelthaferlmotiv [Haferl = Tasse, Becher] für unser jährliches Volksfest. Kaffeetassen mit lustigen Tiermotiven, unter anderem mit Katzen, Speisekarten oder Spielkartenmotive habe ich schon gestaltet. Und auch ein kleines Kinderbuch habe ich gemacht: „Clausi der Maikäfer“. 

Katzen-Kultur: Wird es in absehbarer Zeit möglicherweise Ausstellungen Ihrer Bilder geben?

J. Petry: Von den Katzenbildern habe ich zu wenig Scans, um ein Büchlein rauszubringen. Ich habe auch nicht genügend  Kopien oder Originale, um eine Ausstellung zu bestücken. Meine ganze Energie stecke ich ohnehin in mein Bilderbuchprojekt. Und natürlich muss ich auch Geld verdienen. Zu seinen Lebzeiten hatte mich mein Vater immer unterstützt und ansonsten lebe ich halt von Aufträgen, angefangen von Toilettenschildern über Gruß- und Comickarten bis hin zu Portraits. Selbst Harfen lassen sich bemalen.

Katzen-Kultur:  Wenn eines Tages die berühmte Fee – natürlich in Katzengestalt – auftauchen würde und Sie die obligatorischen drei Wünsche frei hätten, welche wären das?

J. Petry: Keine Kriege mehr auf der Welt. Genug zu Essen für Alle. Und endlich Schluss mit dem Leid der Tiere!

Katzen- Kultur: Herr Petry, vielen Dank für das Gespräch.

Nachtrag: Natürlich ist Jonathan nach dem Verlust seines geliebten Clausi nicht unbekatzt geblieben. Da gibt es neben einigen anderen, die natürlich auch die Bilder des Buchprojektes bevölkern, den Kater Peppy. Auch er ein ganz Besonderer. Allerdings ist er, wie mir Jonathan verriet, „ . . . eine olle Landratte, oh verzeih Landkatze . . . mag kein Wasser, auf Seefisch ist er auch nicht scharf, aber er ist ein toller Charakter . . . .“ Und er hat eine eigene Homepage.

Und hier geht’s zur Seite von Jonathan Petry, dem Schiffskatzenmaler

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